Uhren öffnen

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Nur mal kurz durch pusten...
damit ist es leider nicht getan. Aber als Uhrmacher können wir Ihren Zeitmessern auf vielfältige Weise helfen.

Der moderne Uhrmacher ist ein Allroundtalent. Beginnend von einfachen handwerklichen Tätigkeiten wie Feilen und Sägen bis hin zur Feinstarbeit an komplizierten mechanischen Uhren und zum High-Tech-Elektroniker reicht das Aufgabengebiet.

Zurück kommend zum "kurzen Durchpusten" sollte man sich vor Augen halten, daß sehr viele Arbeitsschritte notwendig sind um z.B. Ihre mechanische Armbanduhr wieder in alter Frische zum Laufen zu bringen.

Zuerst muß das Gehäuse geöffnet und das Uhrwerk entnommen werden, es folgt das Abheben der Zeiger und des Zifferblattes. Als nächstes wird das Uhrwerk komplett zerlegt, je nach Uhrwerkstyp fallen hierbei zwischen 40 und bis zu 250 Einzelteile an. Diese werden gereinigt, auf Abnutzung und Beschädigung geprüft und gegebenenfalls bearbeitet oder ersetzt. Dann folgt das ganze retour: Zusammenbauen des Uhrwerks, Ölen, Gangkontrolle, Zifferblatt und Zeiger montieren und Uhrwerk ins Gehäuse einbauen.

Bei wassergeschützten Gehäusen erfolgt nun noch die Kontrolle von Uhrglas und Dichtungen sowie eine Wasserdichtprüfung nach DIN-Norm.

...also doch nicht nur Durchpusten. Ihr Uhrmacher sorgt so für einen genauen Gang und eine lange Werterhaltung Ihrer Uhr.

Die Lager der Uhr
Hier wird anschaulich dargestellt, wie und warum Messinglager im Laufe der Zeit auslaufen und wie sich das auf das gesamte Uhrwerk auswirkt!


Dieser "Film" ist mit einer neuen Technik (Flash4.0) erstellt. Falls der Film nicht erscheint, müssen Sie Ihren Browser updaten! Nur mit der neuen Flash Technologie ist es möglich interessante technische Details in Aktion anschaulich darzustellen.
 

Sie haben jetzt gesehen, dass Messinglager im Laufe der Zeit einer Abnützung unterworfen sind und sich die Lager einseitig vergrößern. Dieser Vorgang wird umso stärker, je zäher das Öl in den Lagern wird. Kommt dann auch noch Staub und Schmutz hinzu, wirkt das wie ein Schleifmittel, was den Verschleiß weiter verstärkt. Übrigens nimmt nicht nur das Lager Schaden, auch die Zapfen der Räder, die in den Lagern laufen nützen sich ab. Ferner belasten stark ausgelaufene Lager auch die Rad und Triebflanken, wie Sie im Film deutlich sehen können.

Deshalb ist es ratsam, Uhrwerke regelmäßig zu pflegen und nicht erst zu warten, bis die Uhr stehen bleibt. Sicher ist dann der Wartungsintervall kürzer, aber Ihr Uhrwerk dank es Ihnen durch einen präziseren Gang und weniger Verschleiß. Sie sparen dadurch, dass der Uhrmachermeister nicht so viele Abnützungserscheinungen beseitigen muss.

Sehr hochwertige Großuhren und gute mechanische Armbanduhren besitzen Rubinlager und keine Messinglager. Diese haben den Vorteil einer noch geringeren Reibung und keiner wahrnehmbaren Abnützung. Allerdings können auch hier die Räderzapfen durch trockenes Öl und Staub Schaden nehmen.

Im Technik-Bereich und im Forum dieser Homepage finden Sie noch mehr Informationen zu diesem Thema.
 

Die Chronometerhemmung


Bei den rückführenden Hemmungen (z.B. Spindelhemmung) wird das freie Schwingen einer Unruhe noch nicht ermöglicht. Die Unruhe ist während ihrer gesamten Schwingungsdauer mit dem Räderwerk verbunden. Als die erste ruhende Hemmung von Tompion und Graham entwickelt wurde, verbesserten sich die Gangergebnisse schlagartig!
Es lag also nahe, sich darüber Gedanken zu machen, wie die Unruhe als Gangregler noch freier schwingen kann, um präzisere Uhren bauen zu können.

Als zusätzlichen Anreiz setzte die Seefahrernation England eine hohes Preisgeld aus, für ein für die genaue Längenbestimmung geeignetes Instrument. Bis auf Harrison setzten alle Uhrmacher schon auf eine Art Chronometerhemmung. Auch wenn Harrison das Preisgeld gewann, setzte sich eindeutig für die Schifffahrt die Chronometerhemmung durch.

 


Bei diesem "Video" wurde die Schwingungsweite der Unruhe stark reduziert. Klicken Sie auf das Bild und Sie erhalten ein anderes Video!
 Der Chronometerhemmung lag die Idee zugrunde, die Unruhe möglichst "frei" schwingen zu lassen. Dies wurde durch ein drittes Teil erreicht, das in die Hemmung - zwischen Hemmrad und Unruhe -  eingefügt wurde. 
Schwingt die Unruhe hier im Bild gegen den Uhrzeigersinn wird der Auslösearm einen kurzen Moment zur Seite gedrückt. So kann das Hemmrad seinen Impuls auf den Hebestein der Unruhe geben. Beim Zurückschwingen lässt die feine Goldfeder den Auslösestein der Unruhe passieren. 
 

 

Erfinder der Chronometerhemmung
Ein Erfinder der Chronometerhemmung läßt sich nicht zweifelsfrei ermitteln. Meist wird der Franzose Pierre Le Roy genannt, der diese Hemmung 1776 in einen Marinechronometer einbaute. Seine Chronometerhemmung mit Wippe war im Prinzip eine Weiterentwicklung der Duplexhemmung.

In England machten sich um die Chronometerhemmung John Arnold und Thomas Earnshow verdient.  Als Earnshow diese Hemmung dem Board of Longitude vorstellte, kam er in Konflikt mit Arnold.

Es brach ein heftiger Patentstreit aus, in dessen Folge Earnshow in grober Weise Arnold beschimpfte. Er bezichtigte Arnold nur deshalb Goldfedern zu verwenden, da alle Stahlfedern durch seinen Handschweiß sofort verrosteten. Ebenso warb er Arnold einen wichtigen Mitarbeiter (Mr. Lancester) ab, wahrscheinlich um mehr über seinen Konkurrenten zu erfahren.

Earnshow´s Hemmung unterschied sich von der Arnold´s, indem bei Thomas Earnshow die Feder des Blockierhebels auf Druck belastet wurde, während diese John Arnold auf Zug belastete. (Arnold wechselte später zu einer Chronometerhemmung mit Wippe.) Welches von beiden vorteilhafter ist, darüber streiten sich heute noch die Gelehrten. Die verschiedensten Thesen wurden aufgestellt und von der Gegenseite wieder verworfen. Tatsache ist, dass sich die Variante von Thomas Earnshow mehr durchsetzte, eventuell auch deshalb, weil diese ein wenig leichter zu produzieren ist.

Nicht vergessen werden darf bei den "Erfindern" der Chronometerhemmung der Franzose Ferdinand Berthoud, der - wahrscheinlich unabhängig von Earnshow - eine Chronometerhemmung mit Feder entwickelte und darüber auch mehrere Schriften verfasste.

Varianten der Chronometerhemmung
Die Chronometerhemmung mit Feder haben Sie bereits als Titelbild und in Funktion als Video kennengelernt. Es handelt sich um die Variante, bei welcher die Feder des Ruhestückes auf Druck belastet wird.


 
 Die Abbildung links stellt eine Wippenhemmung (Bascule) dar. Der Zahn des Hemmrades liegt auf dem Ruhestein R. Dreht sich nun die Unruhe weiter nach links, drückt der Auslösestein A den Ruhehebel zur Seite. Der Drehpunkt dieses Hebels liegt bei Z. Dadurch gibt der Ruhestein das Hemmrad frei und ein Zahn des Hemmrades kann seinen Impuls auf den Hebestein H der Unruhe geben. Beim Zurückschwingen der Unruhe (nach rechts) passiert der Auslösestein A den Ruhehebel wieder. Allerdings erfolgt jetzt kein Antriebsimpuls an die Unruhe. Die hauchdünne Goldfeder zwischen A und R weicht aus.

 

Abbildung rechts zeigt eine Chronometerhemmung mit kurzer Wippe, wie sie z.B. Julius Grossmann verwendet hat. Diese Variante ist neueren Datums. Der Hebelarm S dient einerseits als Ausgleichsgewicht, andererseits zur Sicherheit bei einer Demontage des Uhrwerks. Wird bei nicht abgespannter Feder die Unruhe entnommen, verhindert der Sicherheitsarm S das schnelle Ablaufen des Hemmrades, wobei der Ruhestein oder Zahnspitzen beschädigt werden könnten.  
 

 

Die Chronometerhemmung in Taschenuhren
Die Chronometerhemmung war ein bedeutender Schritt hin zur präzisen Uhr. Allerdings ist die Hemmungsart alleine nicht entscheidend für die Ganggenauigkeit einer Uhr. Diese hängt auch von der Temperaturkompensation der Unruhe und von der Qualität der Spirale ab.

Dass sich die Chronometerhemmung in Taschenuhren nicht durchgesetzt hat, hat in der Hauptsache zwei Gründe. Zum Einen ist sie aufwendiger als die etwas später entwickelte Kolbenzahn Ankerhemmung, zum Anderen ist sie sehr stoßempfindlich. Die Unruhe läuft nicht von selbst wieder an, wenn sie durch einen Stoß angehalten wurde. Beschleunigt eine Erschütterung die Unruhe, fängt sie zu "galoppieren" an, d.h. die Unruhe lässt bei einer zu großen Schwingung 2 Zähne (statt 1 Zahn) passieren.

Alle diese Nachteile hat die Kolbenzahn Ankerhemmung (Schweizer Ankerhemmung) nicht. Deshalb ist sie Schweizer Ankerhemmung auch heute die gebräuchlichste Hemmung.

Buchempfehlungen
Das Thema Chronometerhemmung ist sehr umfangreich und kann hier nicht in allen Bereichen erläutert werden. Sehr gut mit Bildern wird diese Hemmung im Buch "Taschenuhren - Von der Halsuhr von Tourbillon" von Reinhard Meis (ISBN 3-7667-0484-2) erörtert. Noch tiefer ins Thema dringt Cecil Clutton/George Daniels mit dem Buch "Taschenuhren - Geschichte und Technik" ein (ISBN 3 406 07454 5), allerdings ohne Bilder.